Bericht eines Teepflückermädchens aus Sri Lanka

„Flink, willig und ausdauernd

Pushpawati ist 17 Jahre alt. Sie lebt mit ihrer Familie auf einer Teeplantage und arbeitet als Teepflückerin, genau wie ihre Mutter und früher ihre Großmutter, die alle aus Indien kamen. Teepflücken ist fast ausschließlich Frauenarbeit, denn Frauen gelten als flink, willig und ausdauernd. Die Männer halten die Teefelder in Stand, ziehen Gräben, düngen und arbeiten in den Fabriken. Einige von ihnen haben es zum Aufseher gebracht, sie überwachen lässig, auf einen Stock gestützt, die Arbeit der Teepflückerinnen.

Pushpawati arbeitet seit drei Jahren auf der Plantage. Sie gehört zu den wenigen Mädchen, die acht Jahre zur Schule gehen konnten, viele brechen im Alter von neun oder zehn Jahren den Schulbesuch ab und erledigen einen großen Teil der beschwerlichen Hausarbeit, da die Mütter von morgens bis abends in der Plantage arbeiten.

Pushpawatis Eltern hoffen auf bessere Chancen für ihre Tochter durch den Schulabschluss. Aber in der weiteren Umgebung gibt es keine anderen Arbeitsmöglichkeiten. Die wenigen Jobs werden häufig über politische Beziehungen vergeben – und die haben die Eltern nicht. Ganz hat Pushpawati die Hoffnung noch nicht aufgegeben. Sonntags besucht sie die Nähklasse in der Nachbarplantage, die von einer sozialen Aktionsgruppe organisiert wird. Dort reden Mädchen und Frauen über Probleme, gerade auch die, die sich aus der Arbeit ergeben.

„Ich finde die Plantagenarbeit schrecklich, aber gleichzeitig bin ich froh, überhaupt Arbeit zu haben“, sagt Pushpawati. „Während der Regenzeit, die etwa vier Monate dauert, hängt der Bastkorb, in den wir die Teeblätter pflücken, wie eine Zentnerlast am Kopf, denn die Blätter sind feucht und deshalb sehr schwer. Wir kommen jeden Abend durchnässt nach Hause. Über Nacht am Feuer trocknet die Kleidung nicht richtig, alles ist klamm. In der heißen Trockenperiode ist es nicht viel besser. Die stechende Sonne verursacht Kopfschmerzen, die Haut wird rissig. Sieh dir meine Mutter an, sie ist erst vierzig Jahre alt, aber sieht aus wie sechzig“, sagt sie.

„In dieser Zeit wächst weniger Tee, das bedeutet, wir müssen schneller pflücken, um das Tagessoll zu erreichen. Früher gab es während dieser Zeit oft nur zwei oder drei Tage Arbeit pro Woche. Zum Glück hat sich das seit dem Streik im letzten Jahr geändert. Jetzt müssen wir an sechs Tagen Arbeit bekommen. Insgesamt hat der Streik unsere Lage etwas verbessert, die Tageslöhne sind auf 23 Rupien gestiegen, und endlich ist die ungleiche Bezahlung für Männer und Frauen abgeschafft worden. Aber sonst hat sich nicht viel geändert, die Arbeit bleibt unendlich monoton, an unseren Barackenunterkünften hat sich nichts geändert, immer noch gibt es keine richtige Krankenstation auf der Plantage, obwohl einige Tausend Menschen hier leben.“

Familie erzählt sie folgendes: „Sieh doch meine Mutter, sie steht jeden Tag gegen halb fünf auf, schleppt Wasser von der Wasserstelle heran, macht Feuer und bereitet das Frühstück. Tagaus, tagein dasselbe: Roti – gebackene Mehlfladen – mit etwas scharfer Soße und Tee. Eigentlich trinken wir alle viel lieber Tee mit Zucker, aber den gibt es nur an Festtagen, er ist viel zu teuer. Meist helfe ich meiner Mutter morgens, aber mein Vater und meine beiden Brüder stehen erst um sechs Uhr auf.

Dann gehen sie in die Teefelder oberhalb unserer Baracken und erledigen dort ihr Morgengeschäft. Wir Frauen müssen das im Dunkeln tun, denn niemand darf uns sehen. Es gibt auch Gemeinschaftstoiletten neben unseren Baracken, aber die sind schon lange verstopft, und keiner kümmert sich um die Reparatur.

Noch vor sieben Uhr gehen meine Mutter und ich zur Arbeit, wir pflücken zusammen in einer Gruppe. Zum Glück haben wir jetzt einen recht netten Aufseher. Der alte war eklig und hat uns ständig schikaniert. Frauen, die sich nicht mit ihm einlassen wollten, hat er beim Oberaufseher angeschwärzt. Ergebnis war, dass sie für einige Tage keine Arbeit bekamen. Oft sind die Anmarschwege zu den Teefeldern länger als eine halbe Stunde.

Frauen, die kleine Kinder haben, müssen dann in der Mittagspause in die Kinderkrippe hetzen und ihre Kinder füttern und zurück ins Feld jagen. Gegen fünf ist die Arbeit zu Ende, auf dem Heimweg sammeln wir meist noch etwas Feuerholz oder Zweige von gestutzten Teesträuchern.

Wälder gibt es kaum noch in unserer Umgebung, und wenn, sind es Plantagenpflanzungen, wo Holz suchen verboten ist. Meist gehen wir an freien Tagen in den Dschungel im Tal und schleppen von dort das Holz heran. Ein Weg dauert sicher eineinhalb Stunden. Manchmal geht auch mein Vater am Nachmittag los, denn die Männer arbeiten nur bis zwei Uhr mittags. Aber oft trifft er sich mit anderen in einem der kleinen Läden an der Straße. Sie stehen zusammen, reden und sehen neugierig jedem Fahrzeug entgegen.

Nach der Arbeit zu Hause hole ich dann Wasser. Wir nehmen ein Bad aus der Regentonne vor der Tür und fegen den Wohnraum und den Küchenanbau aus. Manchmal müssen wir auch noch Wäsche waschen, aber eigentlich machen wir das am Sonntag. Später bereitet meine Mutter das Abendessen zu. Jetzt können wir etwas besser essen, zum Reis gibt es fast jeden Tag ein wenig Gemüse und ein kleines Stück Trockenfisch. Das konnten wir uns früher nicht erlauben. Meist essen wir erst kurz vor dem Schlafengehen, denn es ist so ein gutes Gefühl, mit vollem Bauch einzuschlafen.“ (NEUBERGER 1993, S.7)

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