ausgewählte Teeproduzenten – jährliche Produktion und Export

Entwurf nach Zahlenmaterial des Tea Board of India 2003

Aus den produzierenden Ländern kommt der größte Teil des Tees heute mit großen Containerschiffen nach Europa und Amerika. Die VIPS des Tees, wie zum Beispiel der erste First Flush aus Darjeeling, auf den Teegenießer in Europa schon sehnsüchtig warten, werden zum Teil mit dem Flugzeug transportiert. Das lässt die Transportzeit natürlich um einiges schrumpfen, was vom Preis allerdings nicht gerade gesagt werden kann. Dafür kann Tee, der heute in Darjeeling geerntet wird, bereits nach drei Tagen in Europa oder Amerika getrunken werden!

Die ersten Teehändler, die Tee nach Europa brachten, waren die Araber. Sie transportierten neben Gewürzen, Weihrauch und Seide seit dem 9. Jahrhundert auch grünen Tee – teils über den Landweg, teils auf dem Seeweg. Der Tee, der auf dem Landweg gebracht wurde, war geschmacklich besser. Durch den langen Transport in den feuchten Schiffsbäuchen nahm der Tee einen leicht modrigen Geschmack an, und somit war der erzielte Preis nicht so hoch.

Trotzdem konnte man sich mit dem Teehandel ein ordentliches Vermögen anhäufen. Über Heinrich Schliemann heißt es beispielsweise, dass er den Baumwollhandel aufgab, da er zu teuer wurde. Statt dessen begann er mit Tee zu handeln. So verdiente er einen Teil seines Millionenvermögens und hatte genügend Kleingeld, um Troja ausgraben zu lassen.

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Teeklipper

In früheren Zeiten, als man noch nicht an Flugzeuge und dieselgetriebene Containerschiffe dachte, fuhren Segelschiffe den langen Weg von den Erzeugerländern zu den Verbrauchern in Europa und Amerika. Da die britische Ostindien-Kompanie das Monopol auf den Teehandel hatte, spielte Zeit keine Rolle. Die großen, schwerfälligen Indiamanen, wie die Schiffe genannt wurden, hatten alle Zeit der Welt, um die westlichen Häfen anzulaufen.

Teeklipper "Flying Cloud" – James E. Buttersworth

Als 1834 das Monopol aufgehoben wurde, trat die Konkurrenz auf den Plan. Amerikanische Bootsbauer entwickelten kleine, wendige und viel schnellere Schiffe, die sogenannten Teaklipper. Klipper bedeutet soviel wie Abschneider oder Durchschneider. Tatsächlich durchschnitten sie die Wellen mit ihrem messerscharfen Bug.

Da mit dem ersten Tee der Saison auch früher schon eine Menge Geld zu verdienen war, entwickelte sich ein regelrechter Wettkampf um die schnellsten Schiffe. In den 15 Jahren des Klipperbaus wurden mehr als 500 Schiffe dieses Typs gebaut.

Ein wahrer Geschwindigkeitsrausch packte die britischen und amerikanischen Händler. Während herkömmliche Segelschiffe selten mehr als 6 Knoten schafften, brachten es die schnellsten Schiffe, wie die „Sovereign of the Seas“ und die „Flying Cloud“ auf über 20 Knoten und wurden so zu den schnellsten Segelschiffen aller Zeiten. Man überließ die Schiffsbauerei nicht mehr dem Zufall, sondern nutzte die Erkenntnisse der Physik und Mathematik. Es wurden Logbücher ausgewertet, um die günstigsten Seefahrtswege herauszufinden – Schnelligkeit war nun eine Frage der Ehre und natürlich des größeren Verdienstes. „Wir müssen den Wettkampf gegen unseren gewaltigen entfesselten Gegner aufnehmen“, schrieb die Londoner Times in dieser Zeit.

Am berühmtesten ist das 1866 gefahrene „Great Tea Race“ geworden. Sechzehn Schiffe kämpften um den Sieg. Nach spannenden 99 Tagen und 13 200 Seemeilen hatten die ersten beiden Schiffe einen zeitlichen Abstand von gerade einmal acht Minuten! Da das Schiff, das als erstes in London eintraf wegen Niedrigwasser nicht am Dock anlegen konnte, gewann die „Taeping“, die geringeren Tiefgang hatte, das Rennen. Der Preis wurde allerdings unter den beiden Schiffen aufgeteilt. Das nächste Schiff lief erst am folgenden Abend ein.

Als 1869 der Suezkanal eröffnet wurde, war die Zeit der Teeklipper beendet, da durch den Kanal nur Dampfschiffe fahren konnten. Es dauerte aber noch viele Jahre, bis die neuen Dampfschiffe die Geschwindigkeit der Klipper erreichten.

multinationale Konzerne

Der Weltmarkt für Tee wird von wenigen Handelsriesen beherrscht. Der Teemarkt in den kapitalistischen Industriestaaten wird von fünf Tee-Multis kontrolliert:

BROOKE BOND (Unilever); das Unternehmen hat ein weltweites Handels- und Verteilernetz und besitzt Plantagen oder Anteile in den folgenden Ländern: Indien, Pakistan, Sri Lanka, Kenia, Tansania, Malawi.

LIPTON’S (Unilever); wurde 1871 von Thomas Lipton gegründet und durch das Ausschalten des Zwischenhandels, sowie den Aufbau einer eigenen Einzelhandelskette (Lipton Shops) groß.

LYONS TETLEY TEA (Allied Breweries); 1894 eröffnet Josef Lyons in London seine erste Teestube, der bald weitere in anderen Städten Englands folgten.

TWININGS (Associated British Foods); Thomas Twinings eröffnete um 1705 ein Coffe House in London. Erst zu Beginn dieses Jahrhunderts stieg die Firma auch ins Teegeschäft ein.

Typhoo (Cadbury’s) handelt vor allem mit billigen Qualitäten (Fannings). Seit Beginn der sechziger Jahre gehörte es zu Schweppes. Die Tonic-Water-Firma wurde aber 1969 vom Schokoladen-Magnaten Cadbury’s geschluckt. (NEUBERGER 1993, S.84)

Es wird geschätzt, dass 85% der gesamten Welt-Tee-Exporte durch multinationale Konzerne verkauft werden.

Ihre Macht ist ein einflussreicher Faktor auf allen Teeauktionen. Ihr Kaufverhalten bestimmt maßgeblich die Preisentwicklung, sowie die Nachfrage nach bestimmten Teequalitäten. Sie entscheiden damit über das Auf und Ab ganzer Volkswirtschaften.

Da sich, bis auf wenige qualitätsbewusste Konsumentenländer, weltweit eine ständige Verflachung und Angleichung der Teequalitäten beobachten lässt, sind viele Tees auf dem Weltmarkt untereinander austauschbar geworden. Dies bietet den Konzernen die Möglichkeit, einzelne Produzentenländer gegeneinander auszuspielen.

Die indische Regierung wollte durch gesetzliche Maßnahmen seine Teeausfuhren begrenzen und einen Mindestexportpreis festlegen, um den Preis auf einem rentablen Niveau zu halten. Die Konzerne deckten daraufhin ihren Bedarf in Afrika und hielten sich auf indischen Auktionen zurück, so dass 1985 noch nicht einmal die für den Verkauf vorgesehene Teemenge auf indischen Auktionen verkauft werden konnte. Ende 1985 beugte sich die indische Regierung dem „freien Spiel der Kräfte“ und zog ihre Maßnahmen zurück.

Abhängigkeit der Produktionsländer

Da sich viele der Teeproduktionsländer unter dem Einfluss ihrer ehemaligen Kolonialherren auf wenige Exportgüter, oft sogar nur auf den Tee, spezialisiert haben, sind sie extrem vom Weltmarktpreis abhängig. Sinkt er, so fehlen wichtige Deviseneinnahmen, die sie z. B. zum Kauf von Gütern aus den Industrieländern benötigen.

Die Rohstoffpreise und somit auch die Teepreise, schwanken sehr stark. Sie unterliegen außerdem noch Spekulationen (z. B. Warentermingeschäften), die den Weltmarktpreis noch unberechenbarer machen.

Die meisten Teeproduktionsländer gehören zu den „Entwicklungsländern“. Sie liefern vor allem Rohstoffe an die Industriestaaten Von den Industrienationen erwerben sie Industrieprodukte. Die Preise für Industrieprodukte steigen in den letzten Jahren aber viel schneller, als die für Rohstoffe. Der Kaufkraftverlust, der durch das sinkende reale Austauschverhältnis (Terms of trade) entsteht wird in den meisten Entwicklungsländern auf die unteren Bevölkerungsschichten abgewälzt. Das bedeutet: steigende Preise bei gleichbleibenden Löhnen – kurz Inflation.

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