ökologische Produktionsmethode

Die „chemische Keule“ schlägt beim herkömmlichen Teeanbau in Darjeeling etwa alle vierzehn Tage zu. Die Teepflanze wird dann durch den Einsatz von chemischen Pflanzenschutzmitteln vor Schädlingen und Krankheiten geschützt. Der Manager eines herkömmlich produzierenden Betriebes versichert mir auf meine Frage nach dem Unterschied zwischen der von ihm praktizierten und der ökologischen Produktionsmethode: „Die machen auch nichts anderes!“ (Interview mit Mr. M. B. Chamling, Goomtee Tea-Estate am 14. o3. 1996)

Dies lässt sich wohl auf eine typisch indische Mentalität zurückführen, ich möchte sie einmal das „für eine Sache zuständig sein“ nennen: Da gibt es beispielsweise den Beruf des Teetesters. Nachdem ich mich einen ganzen Vormittag mit einem Vertreter dieses wichtigen und auch gutbezahlten Berufes über seine Arbeit unterhalten hatte, war mir klar, dass er zwar mit einem unheimlichen Wissen über seine Arbeit aufwarten kann, doch was darüber hinaus in der Firma geschieht, dafür ist er nicht zuständig, davon weiß er auch nicht viel. „Der Tee wird eben versteigert und dann irgendwann getrunken“, war seine ganze Antwort. Dieses Phänomen geht in Indien soweit, dass beispielsweise ein „Türöffner“ eines Hotels niemals einen Koffer tragen würde. Er wird zwar jeden Gast davon abhalten, seinen Koffer selbst zu tragen, aber dann den dafür zuständigen Kofferträger herbeirufen, selbst wenn das einige Zeit dauert und der Koffer eigentlich nur wenige Meter bis ins Auto getragen werden müsste.

Zurück zum Teeanbau. Viele haben zwar schon etwas vom ökologischen Anbau gehört, doch was da anders gemacht wird, das wissen die meisten nicht, es ist eigentlich auch nicht von besonderem Interesse.

So antwortet auch Mr Ranen Datta, der Repräsentant der Darjeeling Planters Association auf die Frage, um wieviel Prozent denn hier der Pestizideinsatz zurückgegangen ist: „Na ja, wenn die in Assam sagen um 25 Prozent, dann sind es bei uns sicher 65 bis 70 Prozent!“

Dass beim ökologischen Anbau etwas anders gemacht wird, bestätigt folgendes Vorwort eines Versandhauses, das nur Produkte aus ökologischem Landbau im Sortiment hat: „Die beiden Teegärten Pandam und Rangmook, die bedauerlicherweise wieder herkömmlich produzieren, haben wir aus unserem Sortiment gestrichen. … Seit 1989 wurden mit unserer Hilfe und durch Mindestpreisabnahmegarantien sechs Teegärten in Darjeeling auf ökologischen Anbau umgestellt. Immer wieder wurde … Aufbauarbeit geleistet und letztlich auch finanziell investiert, leider jedoch in zwei von sechs Fällen mit dem Ergebnis, dass nach einigen Jahren ökologischer Wirtschaftsweise, die staatlichen Gärten wieder konventionell arbeiten, weil das einfacher ist und höhere Erträge bringt.“ (Hauptkatalog nur Natur 95/96)

Der ökologische Anbau scheint also mit Schwierigkeiten und Ertragsverlusten verbunden zu sein.

Die Anzahl der Gärten in Indien, die anerkannten Öko-Anbau betreiben, ist dennoch steigend. In Darjeeling gibt es zur Zeit sieben solcher Gärten und fünf, die bei der Umstellung sind. In Assam gibt es drei Öko-Gärten, weitere zwei wollen hinzukommen. In Südindien wird bei einem Garten der Anbau umgestellt, zwei produzieren schon ökologisch.

Gerade in Indien beruht vieles auf Traditionen und so ist es nicht einfach, den Plantagenmanagern die Wünsche des Verbrauchers nach vermindertem Einsatz oder gar völligem Verzicht auf Pflanzenschutzmittel nahe zu bringen. Besonders ältere Manager haben einen gehörigen Respekt vor einer solchen Umstellung. Dies vor allem auch, da die Folgen nicht genau abschätzbar sind. So geht der Ertrag pro Hektar um 10 – 25% zurück. Bei der biodynamischen Anbaumethode des Makaibari Teegartens reduzierte er sich sogar von 800 kg/ha auf 400 kg/ha. Außerdem werden mehr Arbeitskräfte benötigt. Dafür lässt sich für qualitativ hochwertigen, möglichst unbelasteten Tee ein ausgezeichneter Preis erzielen.

Natürlich kann man nicht sagen, dass ökologisch angebauter Tee auf jeden Fall qualitativ hochwertig ist. Wie bei Tee allgemein, kommt es bei der Qualität in erster Linie auf die Lage des Anbaugebietes, den Boden, das Klima und die Verarbeitung an. Stimmt einer dieser Faktoren nicht, kann auch ökologischer Anbau keine gute Qualität hervorbringen!

Auch wenn auf ökologischen Anbau geachtet wird, ist der Verbraucher nicht vor Chemie sicher. So hat beispielsweise das selbe Versandhaus eine große Rückrufaktion gestartet, nachdem bekannt wurde, dass Holzkisten, in denen grüner Tee aus Darjeeling versandt wurde, mit PCP haltigen Mitteln gegen Schimmel behandelt worden waren. Die Prüfer des Magazins „Öko-Test“ stellten im April 1995 bei diesem Tee eine um das Sechsfache erhöhte Belastung fest.

In Deutschland gibt es Firmen, die ausschließlich ökologisch angebaute Produkte vertreiben. Gepa, nur natur und Lebensbaum haben auch Tee in ihrem Angebot. Es gibt jedoch auch große Markenartikelfirmen, wie zum Beispiel die Ostfriesische Teegesellschaft, die Tee aus Öko-Anbau im Sortiment haben.

Ökologischer Anbau versucht also auf den Einsatz von Pestiziden, Insektiziden, Fungiziden und Kunstdünger zu verzichten. Doch was würde geschehen, wenn man dies tut, ohne die Anbaumethode grundlegend zu verändern?

Ohne die Zuführung von Nährstoffen wird der Boden ausgebeutet. Man nimmt durch die Ernte Teile des Bodens weg, ohne etwas zurückzugeben. Er wird immer nährstoffarmer, wodurch die Pflanzen anfällig werden, die Erträge stark zurückgehen und schließlich nichts mehr geerntet werden kann. So geht es also nicht.

Nährstoffe müssen dem Boden zugeführt werden, Krankheiten und Schädlinge müssen in Grenzen gehalten werden.

Der Makaibari Teegarten hat eine Fläche von 673 ha, von denen aber nur 274 ha mit Teepflanzen bebaut sind. Die restliche Fläche steht für Wald, Produktionsgebäude und die Arbeitersiedlungen zur Verfügung.

Viele auf den meisten Plantagen mit Herbiziden bekämpfte „Unkräuter“ sind eigentlich nützlich. Neben dem natürlichen Schutz vor dem Wegschwemmen des wertvollen Bodens durch Starkregen, hat man herausgefunden, dass die Wurzeln der „Unkräuter“ Nährstoffe im Boden halten, wozu die Teepflanze nicht in der Lage ist. Sie ernähren die Teepflanze und bauen sogar Giftstoffe ab, die die Teepflanze während des Stoffwechsels produziert.

Durch den Einsatz der Unkrautvernichtungsmittel beim herkömmlichen Teeanbau, den man übrigens im Endprodukt nachweisen kann, werden auch Mikroorganismen im Boden getötet. So wird auch hier ein Ungleichgewicht erzeugt.

Das Unkraut liefert gleichzeitig Mulchmaterial zur Erhöhung der organischen Bestandteile im Boden und zum Schutz vor Erosion.

Eine weitere wichtige Pflanze in einem Teegarten ist der Indigo-Ferra. Ein Baum, der den Teepflanzen Schatten spendet und die Fähigkeit besitzt, Stickstoff über die Wurzeln in den Boden abzugeben. Jeder Baum wirkt der Erosion entgegen.

In Assam wurden in den letzten Jahren Zehntausende Neem-Bäume gepflanzt. Seine Blüten verbreiten einen Duft, der Schädlinge vertreibt. Aus den Samen gewinnt man ein Öl, das immer häufiger anstelle der Chemie auf die Pflanzen gesprüht wird. Dieser Baum wächst allerdings nicht in der großen Höhe, auf der Darjeeling liegt.

Besondere Beachtung findet auch der Boden. Viermal im Jahr wird er im Teegarten Makaibari untersucht. Dabei haben auch die „Unkräuter“ eine Indikatorfunktion.

Als weiteren wichtigen Schritt in die richtige Richtung zählt die Bemühung, die Lebensbedingungen der Arbeiterfamilien zu verbessern. Dies wird häufig von Firmen unterstützt, die auch den ökologischen Anbau fördern. Konkrete Projekte:

  • Bau oder Renovation von Schulen
  • Verbesserung der Trinkwasserversorgung durch Brunnenbefestigung
  • Verbesserung der medizinischen Versorgung
  • Reperaturmaßnahmen an den Häusern der Teepflückerfamilien
  • Förderung der gewerkschaftlichen Strukturen
  • Schaffung neuer Arbeitsplätze durch die arbeitsintensivere ökologische Bewirtschaftung
  • Aufforstungsmaßnahmen gegen Erosion
  • Viehaltung zur Selbstversorgung der Arbeiter und als Nebenerwerb durch den Verkauf der Milch

Mit dem letzten Punkt verbindet man im Makaibari Teegarten gleichzeitig einen Weg zur alternativen Energiegewinnung. Es wurden Biogasanlagen installiert, die aus dem Kuhdung Energie zum Kochen oder Erhitzen von Wasser erzeugen. So verringert man gleichzeitig den Bedarf an wertvollem Brennholz.

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