Teeklipper

In früheren Zeiten, als man noch nicht an Flugzeuge und dieselgetriebene Containerschiffe dachte, fuhren Segelschiffe den langen Weg von den Erzeugerländern zu den Verbrauchern in Europa und Amerika. Da die britische Ostindien-Kompanie das Monopol auf den Teehandel hatte, spielte Zeit keine Rolle. Die großen, schwerfälligen Indiamanen, wie die Schiffe genannt wurden, hatten alle Zeit der Welt, um die westlichen Häfen anzulaufen.

Teeklipper "Flying Cloud" – James E. Buttersworth

Als 1834 das Monopol aufgehoben wurde, trat die Konkurrenz auf den Plan. Amerikanische Bootsbauer entwickelten kleine, wendige und viel schnellere Schiffe, die sogenannten Teaklipper. Klipper bedeutet soviel wie Abschneider oder Durchschneider. Tatsächlich durchschnitten sie die Wellen mit ihrem messerscharfen Bug.

Da mit dem ersten Tee der Saison auch früher schon eine Menge Geld zu verdienen war, entwickelte sich ein regelrechter Wettkampf um die schnellsten Schiffe. In den 15 Jahren des Klipperbaus wurden mehr als 500 Schiffe dieses Typs gebaut.

Ein wahrer Geschwindigkeitsrausch packte die britischen und amerikanischen Händler. Während herkömmliche Segelschiffe selten mehr als 6 Knoten schafften, brachten es die schnellsten Schiffe, wie die „Sovereign of the Seas“ und die „Flying Cloud“ auf über 20 Knoten und wurden so zu den schnellsten Segelschiffen aller Zeiten. Man überließ die Schiffsbauerei nicht mehr dem Zufall, sondern nutzte die Erkenntnisse der Physik und Mathematik. Es wurden Logbücher ausgewertet, um die günstigsten Seefahrtswege herauszufinden – Schnelligkeit war nun eine Frage der Ehre und natürlich des größeren Verdienstes. „Wir müssen den Wettkampf gegen unseren gewaltigen entfesselten Gegner aufnehmen“, schrieb die Londoner Times in dieser Zeit.

Am berühmtesten ist das 1866 gefahrene „Great Tea Race“ geworden. Sechzehn Schiffe kämpften um den Sieg. Nach spannenden 99 Tagen und 13 200 Seemeilen hatten die ersten beiden Schiffe einen zeitlichen Abstand von gerade einmal acht Minuten! Da das Schiff, das als erstes in London eintraf wegen Niedrigwasser nicht am Dock anlegen konnte, gewann die „Taeping“, die geringeren Tiefgang hatte, das Rennen. Der Preis wurde allerdings unter den beiden Schiffen aufgeteilt. Das nächste Schiff lief erst am folgenden Abend ein.

Als 1869 der Suezkanal eröffnet wurde, war die Zeit der Teeklipper beendet, da durch den Kanal nur Dampfschiffe fahren konnten. Es dauerte aber noch viele Jahre, bis die neuen Dampfschiffe die Geschwindigkeit der Klipper erreichten.

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